Bad Kreuznach – Unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildungsschicht – nicht zuletzt angesichts steigender Lebenshaltungs- und hoher Energiekosten brauchen immer wieder zahlreiche Menschen die Unterstützung und Hilfe der Schuldnerberatung. Das Team in Bad Kreuznach unterstützt diese Menschen auf ihrem herausfordernden Weg, allein in diesem Jahr sind es 282 Fälle, in denen das Team rund um Renate Mertgen beratend und begleitend tätig ist. Und das sind noch längst nicht alle, die Hilfe benötigen: Die Warteliste ist lang, rund neun Monate muss man aktuell auf einen Beratungstermin warten. Den „typischen“ Schuldner gebe es dabei nicht – „es sind immer sehr individuelle Fälle“, betonte Renate Mertgen.
Häufig beginne es schon mit einem zu hohen aufgenommenen Kredit, auf den dann weitere Schulden folgten, erläuterte die langjährige Schuldner- und Insolvenzberaterin. Die Möglichkeiten, über das Internet unkompliziert und schnell Bestellungen aufzugeben oder Verträge abzuschließen, verstärke dabei häufig eine hohe Verschuldung. Es dauere jedoch oft lange, bis die Betroffenen sich Hilfe holten – teilweise fünf bis sieben Jahren, so Mertgen. Geld, um die angefallenen Schulden zu bezahlen, läge in den meisten Fällen gar nicht vor. Dabei ist es ihr wie auch dem gesamten Team ein großes Anliegen, die Hilfesuchenden aktiv mit in die Aufarbeitung einzubeziehen – und „zielführend eine Spur für die Zukunft zu legen“, betonte Mertgen.
Bittmann-Stiftung ergreift Initiative
Damit mehr Hilfesuchenden schneller geholfen werden kann, hat die Bittmann-Stiftung Meisenheim bereits seit 2024 die Arbeit der Schuldnerberatung in Bad Kreuznach unterstützt – für die Dauer von insgesamt 40 Monaten finanziert die Stiftung zwei zusätzliche Beschäftigte auf Minijobbasis. Übernommen werden zudem die Kosten für die Qualifizierung sowie die Sachkosten für die Einrichtung der Arbeitsplätze.
Das Ziel dabei: Durch die beiden Zusatzkräfte die Arbeit der Fachkräfte in der Schuldnerberatung zu entlasten und Wartezeiten für Menschen in Not zu verringern. „Mit unserer Initiative möchten wir erreichen, dass in finanzielle Not geratenen Menschen schneller geholfen werden kann“, betonte entsprechend Stiftungsvorstand Eugen Krax (Meisenheim) bei Einstellung der neuen Mitarbeiterinnen im Februar 2024.
Rund 30 Monate sind seitdem vergangen – Zeit für eine erste Bilanz. Im gemeinsamen Gespräch tauschen sich Carsten Stumpenhorst, Geschäftsführer der Gemeinsamen Diakonischen Werke Süd gGmbH, die Mitarbeitenden der Schuldnerberatung Bad Kreuznach, Renate Mertgen (Fachberatung/ Schuldner- und Insolvenzberatung) ebenso wie die beiden durch die Stiftung finanzierten Kräfte Beate Sichler und Mathias Reiplinger, sowie für die Stiftung die Vorstandsvorsitzende Sabine Bittmann, Eugen Krax (Vorstand Operatives Geschäft), Eckhard Schüßler (Vorstand Finanzen) und Ursula Alles aus.
Breites Engagement
Der Stiftung ist es grundsätzlich ein Anliegen, schnell und möglichst unkompliziert zu helfen, und – man entwickle sich immer mehr hin zu einer „operativen Stiftung“, die selbst Ideen entwickle und Kontakt aufnehme. So wie auch bei der Arbeit der Beratungsstelle: „Wir haben mitbekommen, dass alles teurer wird und es mehr Menschen gibt, die in Not sind – da haben wir Kontakt aufgenommen“, brachte es Eugen Krax auf den Punkt. Man wolle dabei nicht in Verwaltung, sondern in konkrete Projekte investieren, betonte Krax – und stellte mit Blick auf die Unterstützung der Schuldnerberatung fest: „Das ist ein Projekt, das funktioniert“, so Krax. Die Bittmann-Stiftung ist insgesamt bei ihren Projekten breit aufgestellt – Jugend, Sport und Gesundheit seien grob umrissen die Bereiche, in denen sich die Stiftung engagiert, erklärte Vorstandsvorsitzende Sabine Bittmann. Ziel dabei sei es auch, das Engagement für die Region zu bündeln, so Bittmann.
Unter anderem wurden zuletzt 30.000 Notfalldosen durch die Stiftung gespendet, Dosen, in denen sich alle persönlichen wichtigen medizinischen Informationen hinterlegen lassen und die im akuten Notfall nicht nur den Einsatzkräften die Arbeit erleichtern, sondern auch Leben retten können. Aber auch Medizinstipendien vergibt die Stiftung – und unterstützt Medizinstudierende und Ärzte in Weiterbildung, um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum rund um Meisenheim zu sichern.
Ein erfolgreiches Projekt
Das ursprüngliche Ziel, die Arbeit der Schuldnerberatung zu unterstützen, habe man auf jeden Fall erreicht, erklärte auch der Geschäftsführer der Diakonie, Carsten Stumpenhorst: „Das ist ein sehr erfolgreiches Projekt.“ Die beiden durch die Stiftung finanzierten Mitarbeiter*innen bereiten Fälle vor, sortieren teils Körbeweise Unterlagen der Hilfesuchenden und entlasten so die Fachberaterinnen enorm.
Stumpenhorst dankte dem Stiftungsvorstand ausdrücklich und betonte: „Durch die wertvolle Verwaltungsunterstützung können sich unsere Fachberater*innen schneller mit der Bearbeitung der komplexen und vielschichtigen Fälle auseinander setzen. Wir sind der Bittmann-Stiftung, aber natürlich auch unseren beiden im Projekt tätigen Mitarbeiter*innen sehr dankbar, dass dies mit ihrem Engagement möglich wird.“
Der große Bedarf sei da, der Zugang zur Schuldnerberatung solle grundsätzlich niedrigschwellig und kostenlos sein, die Gelder, die durch das Land Rheinland-Pfalz dafür bereit gestellt werden, seien jedoch noch längst nicht auskömmlich, führte Stumpenhorst zudem aus. In der Beratungsstelle Bad Kreuznach sind zur Zeit 2,5 Fachberatungsstellen besetzt, diese werden über die Landesförderung, kommunale Mittel sowie Spenden und Eigenmittel finanziert. Eine weitere Fachberatungsstelle finanziert das Jobcenter Bad Kreuznach für spezifische Bedarfe, ergänzt wird das Team durch die beiden Mitarbeiter*innen der Bittmann-Stiftung. Zwei weitere Vollzeitstellen wären am Standort Bad Kreuznach sicher sinnvoll, so der Geschäftsführer.
Wie es weitergeht? Das ist zur Zeit noch offen, die Bittmann-Stiftung fördert grundsätzlich nur befristet Projekte. Was das konkret im Fall der Schuldnerberatung heißt, darüber wird der Vorstand noch beraten.

